Video Installation Ausstellung

Brutto Medial Produkt

2026, Pförtnerhäuschen, Alten Schlachthof, Karlsruhe
Ausstellung mit Video-Installationen

Ausstellung in den Pförtnerhäuschen auf dem Alten Schlachthof in Karlsruhe von Thorsten Schwanninger vom 20. bis 22. Februar 2026

In den beiden Pförtnerhäuschen wird jeweils eine Closed Curcuit Medienkunst Installation von Thorsten Schwanninger in Kooperation mit Studio Karat gezeigt.

Der Titel Brutto Medial Produkt lehnt sich an die mediale Konstruktion von Wirklichkeit und spielt zwei Varianten dieser Konstitution aus.

In Zusammenarbeit mit STUDIO KARAT

„Wir werden das Kind schon schaukeln“

2021 | Videoinstallation
Röhrenfernseher, Regal, Kamera und Elektrische Babywippe

SMART HOME

2019 | Videoinstallation
Monitor, Kamera und Strommessgerät

Closed Circuit in der Medienkunst

Closed Circuit (geschlossener Kreislauf) bezeichnet in der Medienkunst ein System, in dem Kamera, Übertragung und Monitor direkt miteinander verbunden sind. Das aufgenommene Bild wird ohne zeitliche Verzögerung oder externe Verbreitung unmittelbar wieder ausgegeben. Anders als beim Rundfunk oder Fernsehen entsteht kein offener Sender-Empfänger-Prozess, sondern ein selbstreferenzielles System, in dem Produktion und Rezeption räumlich und zeitlich zusammenfallen.

Bedeutung für die Gegenwart

Closed Circuit bleibt auch im digitalen Zeitalter relevant. In Zeiten allgegenwärtiger Überwachungskameras, Livestreams und Self-Tracking-Systeme hat sich das einst experimentelle Setting in eine gesellschaftliche Normalität verwandelt. Medienkünstlerische Arbeiten greifen diese Bedingungen auf und reflektieren Fragen von Datenschutz, Identität und algorithmischer Kontrolle.

Damit steht Closed Circuit in der Medienkunst nicht nur für eine technische Anordnung, sondern für eine kritische Praxis: Es macht sichtbar, wie sehr Wahrnehmung, Subjektivität und Macht an mediale Infrastrukturen gebunden sind.

In der Theorie wurde Closed Circuit als Modell eines kybernetischen Systems verstanden: Ein Regelkreis, in dem Input und Output kontinuierlich aufeinander reagieren. Das Bild wird nicht als Repräsentation, sondern als Ereignis im Raum erfahrbar.

Historischer Kontext

In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde Closed Circuit zu einem zentralen Verfahren der frühen Videokunst. Künstler*innen wie Nam June Paik und Bruce Nauman experimentierten mit Videoüberwachung, Feedback und Echtzeitübertragung. Parallel dazu untersuchte Dan Graham in Installationen wie Present Continuous Past(s) (1974) die Wahrnehmung von Gegenwart und Vergangenheit durch minimale Zeitverzögerungen im Bildsignal.

Die technische Grundlage bildeten tragbare Videosysteme wie der Sony Portapak, die erstmals eine flexible, unmittelbare Bildproduktion ermöglichten. Dadurch verschob sich der Fokus vom aufgezeichneten Werk hin zur prozessualen Situation.